Newsletter 20

Neuigkeiten vom ASCO-Meeting, Mai/Juni 2019,
Nationale Hautkrebskampagne – Publikumsinformation am 14. Mai 2019 und
Dermatoonkologie-Fortbildung, 16. Mai 2019

Neuigkeiten zur Hautkrebsbehandlung von der American Society of Clinical Oncology 2019 (ASCO), 31. Mai – 4. Juni 2019

Highlights an der ASCO 2019
Im Themenbereich Hautkrebs gab es einige beachtenswerte Beiträge. Ein Schwerpunktthema war die Behandlung von Patienten mit Hirnmetastasen. Hier hat eine grosse internationale Studie den Stellenwert der adjuvanten (zusätzlich zu stereotaktischer Bestrahlung oder Operation) Ganzhirnbestrahlung untersucht. Diese sehr aufwändige Studie in der ca. 200 Patienten randomisiert wurden, zeigte sich ganz klar, dass die adjuvante Ganzhirnbestrahlung keinen Nutzen für Melanompatienten bringt. Das bestätigt das Vorgehen in der Schweiz, insbesondere die Entscheidungen des Hautkrebstumorboards am Universitätsspital, die die Ganzhirnbestrahlung nur in Ausnahmefällen empfiehlt.
Gleich in der anschliessenden Präsentation wurden Resultate zur Kombinationsbehandlung von Ipilimumab und Nivolumab gezeigt. Wie schon im Vorjahr konnte eindeutig gezeigt werden, dass Patienten mit kleinen Hirnmetastasen ähnlich gut auf die Kombinationsimmunbehandlung reagieren wie Patienten ohne Hirnmetasten. Die Ansprechrate im Gehirn ist durchaus vergleichbar mit der ausserhalb des ZNS. Nun wurden zusätzliche Patienten untersucht, die eine höhere Tumorlast im Gehirn zeigten. Die Auswertung dieser Patienten war leider weniger erfreulich. Nur ca. 20% der Patienten zeigten die gewünschten Resultate. Diese Remissionsrate ist etwa nur halb so hoch wie die bei Patienten mit kleiner Tumorlast im ZNS. Das bestätigt die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen, insbesondere zur Kombinationstherapie von Kinase-Inhibitoren, Immunmodulatoren und radiotherapeutischen Therapieverfahren.
Weitere Highlights waren die aktuellen Ergebnisse der neoadjuvanten Therapieansätze. Darunter verstehen wir eine Systemtherapie vor der operativen Entfernung von Melanommetastasen. Alle Therapieverfahren wurden inzwischen im neoadjuvanten Setting untersucht einschliesslich Immuntherapie, zielgerichtete Behandlung und replizierenden Herpesviren. Bei allen kommt es zu einem histologischen dokumentierten kompletten Verschwinden von Melanommetastasen, dass mit einem sehr positiven Langzeiteffekt verbunden ist.

Überraschende Resultate
Überrascht haben mich die Resultate einer neoadjuvanten Studien mit dem replizierenden Herpesvirus T-VEC bei Patienten mit Melanom. Diese nur 12 Wochen dauernde Behandlung hat zu einer überraschend deutlichen Verbesserung des Rezidiv freien Intervalls geführt. Soweit beurteilbar auch wahrscheinlich zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens. Sehr vielversprechend sind auch neue rekombinante T-Zell Rezeptoren für die Behandlung des Aderhautmelanoms. Negative Überraschungen blieben weitgehend aus. So lag die 5-Jahres Überlebensrate bei der Behandlung mit kombinierten Kinase-Inhibitoren (Dabrafenib und Trametinib) und die 4 Jahres Überlebensrate mit der Kombination Encorafenib und Binimetinib im dem Bereich, der erwartet werden durfte.
Bestätigt wurden auch positive Behandlungsergebnisse mit dem Anti-PD1 Antikörper Cemiplimab bei Patienten mit fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinom der Haut. Erkenntnisse für die tägliche Praxis Als grosses international anerkanntes Forschungszentrum haben wir an vielen der beschriebenen Projekte federführend mitgearbeitet und kennen ihre Bedeutung. Dies Ergebnisse fliessen schon sehr früh in unsere täglichen Therapieentscheidungen ein. Insbesondere ist der Einschluss in klinischen Studien zu erwähnen. Das führt dazu, dass wir durchschnittlich neue therapeutische Verfahren 2-3Jahre vor der Einführung einsetzen. Das gilt aktuell zum Beispiel für die Behandlung von Patienten mit einer 3- fachen Immuntherapie oder mit einer Kombinationsbehandlung aus 2 Kinase-Inhibitoren sowie einem immunmodulatorischen Antikörper. Somit werden unsere internen Algorithmen nicht geändert.

Wo besteht noch grosser Forschungsbedarf?
Der grösste Forschungsbedarf besteht meines Erachtens im Bereich der Biomarker. Es ist äusserst wichtig, Patienten zu identifizieren die von bestimmten Behandlungsansätzen profitieren bzw. Patienten die nur einen Behandlungsansatz benötigen, damit Kosten und Nebenwirkungen reduziert werden können.
Daneben ist es äussert dringend notwendig, Behandlungsoptionen für seltene Melanomformen wie dem Aderhautmelanom oder den Schleimhautmelanomen zu entwickeln. Entsprechende Studien sind inzwischen am
Universitätsspital Zürich in der Dermatologischen Klinik USZ etabliert worden.

Aktuelle Repräsentation der Schweiz als Forschungsstandpunkt
Die Schweiz ist ein Land mit höchster medizinischen Qualität und mit sehr guter allgemeiner Versorgung. Das Schweizer Gesundheitssystem erhebt zu Recht den Anspruch auf einen der besten Plätze in der Welt. Leider ist dies aus meiner Sicht an internationalen Kongressen nicht genügend zu sehen. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Fallzahlen in klinischen Studien eingebracht werden und die Fallzahlen für Biomarker Analysen zu gering sind. Hier wäre es zwingend notwendig, dass die universitären Zentren, die diese Forschung vorantreiben durch die niedergelassenen Onkologen besser unterstützt werden und Patienten gezielt zur Behandlung in klinischen Studien zugewiesen werden. Leider sehe ich in den letzten Jahren genau die gegenteilige Entwicklung. Unter wirtschaftlichen Druck macht man erstmal das, was man auch peripher machen kann und schickt den Patienten erst spät, oft ist es dann schon zu spät für klinische Studien. Ein Umdenken wäre dringend angezeigt.

Nationale Hautkrebskampagne SGDV: Hautkrebsinformations-Veranstaltung Dermatologie USZ am14. Mai 2019

Die Infomationsveranstaltung für die breite Öffentlichkeit am 14. Mai stiess auf sehr gutes Echo; gegen 200 ZuhörerInnen informierten sich über Aktuellstes zum Hautkrebs.
Sandra Fluri, Skin Cancer Nurse, USZ, und die SelbstHilfe-Gruppe Melanom stellten sich und ihre Angebote vor.

Video Immuntherapie beim Melanom
Das Forschungsteam der Dermatoonkologie, unter der Leitung von Prof. Mitch Levesque, primär Sabrina Holgan-Schindler und Ishani Bhanik, realisierten ein sehr schönes Video über die Immuntherapie:
Es ist ihnen gelungen, diese komplexe Thematik sehr anschaulich für Laien darzustellen. Es stiess auf grosses Interesse.

Biomarkeridentifizierung für Immuntherapien in Melanom
Autoren:
Forschungsteam der Dermatoonkologie, unter der Leitung von Prof. Mitch Levesque mit Sabrina Holgan-Schindler und Ishani Bhanik.

 

Interdisziplinäre Dermato-Onkologie Fortbildung, 16. Mai 2019, USZ: Neuigkeiten zum Melanom

An dieser erfreulicherweise insbesondere von unseren niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sehr gut besuchten Fortbildung informierten primär MitarbeiterInnen des USZ, Pathologie und Dermatologie USZ und als Gast Prof. Roland Kaufmann aus Frankfurt auch anhand von Fallbeispielen über Neues zur Therapie beim Melanom. Prof. Kaufmann beschrieb auch den heute wichtigen Stellenwert des operativen Aspekts in der Gesamtheit der Behandlungsaspekte beim Melanom.

Zürcher Dermatologische Fortbildungstage, 26.-28. Juni 2019: Sessions «Update Dermatoonkologie» mit Zuweiserbefragung und «Jahresthema: Ablagerungsdermatosen: Referat: Muzinosen»

Über 250 Dermatolginnen und Dermatologen sowie über 45 MPA besuchten die diesjährige ZDFT. Das Team der Dermatoonkologie USZ unter der Leitung von Prof. Reinhard Dummer mit Dr. Joanna Mangana, Dr. Mirjam Nägeli sowie den StudienAssistenzärzten, Dr. Carole Guillet und Dr. Thierry Nordmann stellte in den 2 obgenannten Sessions v.a. auch Fälle vor, die interaktiv besprochen wurden, z.T. mit Abstimmungsmöglichkeit vor. Weiter präsentierte Dr. Anna Lisa Frauchiger der What’s New Session am Freitag 3 insbesondere für die praktizierenden Dermatologen relevanten aktuellen Publikationen.

Weitere News

Preis-Ausschreibung Pierre Fabre Skin Cancer Award 2019
Verleihung an Jahresversammlung der SGDV am 19. September in Basel
Es sind einige Bewerbungen eingegangen. Die unabhängige Jury arbeitet, daran die Arbeiten zu beurteilen.

Einstellung einer Tumordokumentarin in der Dermatologischen Klinik
Mit Unterstützung vom Verein für Hautkrebs wurde eine Tumordokumentatorin, Isabell Pieper-Scholz, angestellt. Sie wird dafür Sorge tragen, dass die klinischen Daten sauber erfasst werden, sodass wir in Zukunft neue prognostisch wichtige Biomarker entwickeln, um die Behandlung unserer Patienten zu optimieren.

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