Newsletter 19

Neuigkeiten zur Hauptkrebsbehandlung von der American Society of Clinical Oncology 2018 (ASCO), 1.-5. Mai

Neue Klassifikation (Stadieneinteilung für das Melanom)
Seit mehreren Monaten liegt nun eine neue Stadieneinteilung für unsere Patienten vor.

Diese Einteilung ist äusserst wichtig, damit wir das individuelle Risiko möglichst korrekt einschätzen können. Diese Informationen benötigen wir dringend um den Nachsorgeplan, aber auch vermehrt vorbeugende (adjuvante Behandlungen) vorzuschlagen. Im Rahmen der neuen Klassifizierung ist jetzt klargeworden, dass Patienten mit dicken ulzerierten Primärtumoren auf jeden Fall eine intensivere Nachbetreuung mittels Ultraschalluntersuchungen benötigen und in Einzelfällen auch Behandlungen. Bei Patienten mit mikroskopisch nachgewiesenen Lymphknotenbefall kommt es auf die Grösse der Lymphknotenmetastasen an, wobei ein Durchmesser von 1mm als Grenzwert gilt. Die Patienten die darunter liegen erhalten Nachkontrollen, die Patienten die darüber liegen auch PET/CT Untersuchungen und gegeben falls auch weitere therapeutische Massnahmen.

Neue Daten zur Wertigkeiten der Lymphadenektomie bei positiven Sentinel-Node
Frau Prof. Ulrike Leiter hat eine erneute Analyse einer grossen deutschen Studie zu diesem Thema vorgestellt. Wie eine bereits letztes Jahr in mehreren Ländern weltweit durchgeführte Studie, kommt diese Studie zum Ergebnisse, dass im Falle eines positiven Sentinel-Node-Lymphknotens eine prophylaktische Entfernung sämtlicher Lymphknoten einer Region keinen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit hat.
Diese Ergebnisse und die sehr viel versprechenden Resultate der adjuvanten Therapien mit Anti-PD1 Antikörpern oder einer Kombination von Dabrafenib und Trametinib (Kinase Inhibitoren Kombination), haben dazu geführt, dass wir unsere internen Richtlinien geändert haben: Im Falle einer Sentinel-Lymphknotenpositivität mit einem Befall von weniger 1mm wird nur eine intensivierte Nachkontrolle durchgeführt.
Bei einem Lymphknotenbefall grösser als 1mm wird eine adjuvante Therapie vorgeschlagen. Falls der Patient keine Therapie wünscht und auch nicht in der Lage ist, regelmässige Nachsorgeuntersuchungen wahrzunehmen kann im Einzelfall eine Lymphadenektomie doch noch diskutiert werden.

Neue Kinase-Inhibitoren Kombination (Encorafenib und Binimetinib)
Auf der ASCO 2018 konnte Prof. Dummer eine erneute Analyse der COLMBUS-Studie vorstellen. Damit handelt es sich um eine 3-armige Studie, die Vemurafenib, Encorafenib und die Kombination aus Encorefenib und Binimetinib vergleicht. Die verlängerte Nachbeobachtungszeit erlaubt nun eine Analyse des Gesamtüberlebens in der Studienpopulation. Da zeigt sich, dass mittlere Überleben für den BRAF inhibitor der ersten Generation Vemurafenib bei 16.3 Monaten liegt. Für den neuen BRAF inhibitor encorafenib liegt es signifikant höher bei 23,5 Monaten und für die Kombination Encorafenib und Binimetinib bei 33.6 Monaten. Festzuhalten bleibt, dass die Verträglichkeit von Encorafenib und Binimetinib als sehr positiv bewertet werden kann. Insbesondere kommen erhöhte Lichtempfindlichkeit und fiebrige Reaktionen sehr selten vor.
Die Ergebnisse dieser Studie, die deutlichen Vorteile für die Kombination Encorafenib und Binimetinib bezüglich Ansprechrate, progressionsfreien Intervall und Gesamtüberleben, haben bereits zur Zulassung dieser Kombination in den USA geführt. Eine Zulassung in Europa und in der Schweiz ist in der nahen Zukunft zu erwarten.

Fortschritte in der Immuntherapie des Merkelzellkarzinoms und des metastasierenden kutanen Plattenepithelkarzinoms
Auf der ASCO 2018 wurden Studien für diese beiden schwierig zu behandelnden Karzinome vorgestellt. In beiden Fällen war der Einsatz eines monokularen Antikörpers erfolgreich. Für Patienten mit metastasierenden kutanen Plattenepithelkarzinom wurde der Anti-PD1 Antikörper Cemiplimab eingesetzt, der in ungefähr 50% der Patienten zu einer partiellen Remission und im Einzelfall sogar in einer kompletten Remission führte. Der klinische Nutzen war dauerhaft bei guter Verträglichkeit der Behandlung.
Dieses Patientenkollektiv hatte bis heute keine wirksame Therapieoption. Somit sind diese Daten wirklich als grosser Fortschritt zu werten. Für das metastasierende Merkelzellkarzinom liegen nun umfangreiche Daten zur Erstlinienbehandlung mit einem Antikörper gegen PD-ligand 1 (Avelumab) vor. Auch hier zeigt sich ein gutes Ansprechen mit einer ausgezeichneten Remissionsdauer, sodass diese Behandlung inzwischen als Erstlinientherapie für das metastasierende Merkelzellkarzinom angesehen werden muss.

Untersuchung zur Wirkung von Methadon auf Melanomzellen

Die Verwendung von Methadon zur Behandlung von Krebs wurde, bzw. wird in den Medien intensiv diskutiert. Dies hat einerseits zu multiplen Anfragen vonseiten der Patienten und andrerseits zum Einsatz von Methadon mit der Intention der Tumorbehandlung durch Ärzte geführt. Die Datenlage für den Einsatz von Methadon zur Tumorbehandlung ist jedoch fraglich.
Vor diesem Hintergrund hat eine Forschergruppe des Universitätsspitals Zürich an der Dermatologischen Klinik den Effekt von Methadon (alleine oder in Kombination mit einem Chemotherapeutikum) auf von Patienten gewonnenen Melanom-Zelllinien getestet. Diese Untersuchungen zeigten, dass Methadon sowohl alleine als auch in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin und ungeachtet der Expression des Haupt-Rezeptors für Methadon (mu-Opioid Rezeptor) keinen Effekt auf die Viabilität von Melanomzelllinien hat. Klinisch wurde unter der Behandlung eines Melanom-Patienten mit Methadon in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Tezolomid kein positiver Effekt beobachtet.

Zusammenfassend kann somit unseres Erachtens der Einsatz von Methadon zur antitumoralen Behandlung beim Melanom nicht empfohlen werden.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=br%C3%BCggen+methadon

Nationale Hautkrebswoche/-tag, 14.-18. Mai 2018

Diverse Dermatologische Kliniken, auch die Dermatologie USZ, und praktizierende DermatologInnen beteiligten sich an der Nationalen Hautkrebswoche der SGDV im Rahmen von EURO MELANOMA und boten kostenlose
Erstuntersuchungen an, die sehr rege genutzt wurden: Innert 1 Woche meldeten sich über 3’000 Personen für einen Termin an, wobei von der SGDV-Hotline allein 1’000 Anrufe entgegengenommen und terminiert wurden. Die Anzahl der der SGDV zurückgesandten Fragebogen betrug gut 2’800 – im Vorjahr ca. 2’230.

Publikumsveranstaltung 15. Mai, Dermatologie USZ
Die Infomationsveranstaltung für die breite Öffentlichkeit am 15. Mai stiess auf «rekordhohes» Interesse; gegen 200 ZuhöhrerInnen informierten sich über Aktuellstes zum Hautkrebs.
Der VHKF erhielt die Gelegenheit, sich vorzustellen: Catherine Frey-Blanc informierte über die wichtigsten Facts des Vereins inklusive speziell mit Vorstellen der Skin Cancer Nurse, Sandra Fluri, deren Stelle länger über den VHKF finanziert wurde.
Beim anschliessenden Apéro ergaben sich interessante Kontakte zwischen PatientInnen und Selbsthilfegruppen, Melanom und Gorlin Goltz-Syndrom aus Deutschland, und auch wertvolle Gespräche mit jetzigen und
zukünftigen Donatoren des VHKF.

Video Immuntherapie beim Melanom
Das Forschungsteam der Dermatoonkologie, unter der Leitung von Prof. Mitch Levesque, primär Sabrina Schindler und Ishani Bhanik, realisierten ein sehr schönes Video über die Immuntherapie
(s. www.swisscancer.ch): es ist ihnen gelungen, diese komplexe Thematik sehr anschaulich für Laien darzustellen. Es stiess auf grosses Interesse.

Vortrag: Biomarkeridentifizierung für Immuntherapien in Melanom
Sabrina Schindler, PhD Student, Dermatologische Klinik, UniversitätsSpital Zürich

Medienarbeit
Die Nationale Hautkrebskampagne 2018, dieses Jahr zum Motto «Berufskrank durch Sonne ?» stiess auf ein grosses Echo: viele der Mitglieder des VHKF gaben Interviews (Prof. Braun, Prof. Dummer, Prof. Hunger u.a.; speziell erwähnenswert ist der Bericht in der Gesundheitssprechstunde eines Dermatoonkologischen Patienten der MelanomSprechstunde der Dermatologie USZ – eindrücklich schildert der Patient seine Krankheitsgeschichte. Wir danken ihm hierfür herzlich.

Interdisziplinäre Fortbildung, 24. Mai 2018; USZ: Neues zum Melanom

An dieser sehr gut besuchten Fortbildung informierten primär MitarbeiterInnen des USZ, Pathologie und Dermatologie USZ und als Gast Prof. Peter Mohr aus Buxtehude auch anhand von Fallbeispielen über Neues zur
Therapie beim Melanom.

Weitere News

Preis-Ausschreibung Pierre Fabre Skin Cancer Award 2018
Verleihung an Jahresversammlung der SGDV am 30. August in Lausanne Vor kurzem hat die Jury den Gewinner des Preises ausgewählt: er geht an Prof. Ralph Braun für sein Projekt «Dermacopedia». Wir gratulieren herzlich. Weitere Informationen folgen im nächsten Newsletter.

Einstellung einer Tumordokumentarin in der Dermatologischen Klinik
Mit Unterstützung vom Verein für Hautkrebs wurde eine Tumordokumentatorin Frau Isabell Pieper-Scholz angestellt. Sie wird dafür Sorge tragen, dass die klinischen Daten sauber erfasst werden, sodass wir in Zukunft neue
prognostisch wichtige Biomarker entwickeln, um die Behandlung unserer Patienten zu optimieren.

Homepage www.skincancer.ch – Update Format – «Responsive»
Um die Website des VHKF noch benutzerfreundlicher zu gestalten, speziell für Smart-Phone-Gebrauch, haben wir sie im Juli auf eine neues Format umprogrammieren lassen. Somit ist der VHKF auch auf diesem Gebiet wieder à jour.

 

Newsletter 19